wpid-dsc02089.jpg

Cameron Highlands

Die Rückkunft nach Jerantut erfolgte wiederum bei drückender Hitze. Da zudem unmittelbar nach Ankunft klar wurde, dass die individuell organisierte Weiterreise nur bei mehrstündigem Aufenthalt in diesem gottverlassenen Dorf möglich sein würde, fiel die Entscheidung, wiederum auf die solide Infrastruktur zurückzugreifen, die von den Reiseanbietern zur Verfügung gestellt wird, vergleichsweise einfach. Dass der Busfahrer nach mehrstündiger Reise im Minivan günstige Unterkünfte zu empfehlen wusste und jeden Mitreisenden einzeln an seinem Ziel absetzte, bestätigte uns darin, dass diese Form des Vorankommens eben doch auch Zeit sparen kann, ohne finanziell allzu sehr ins Gewicht zu fallen.

image

Zwischen 1000 und 2000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, herrscht hier ein deutlich anderes Klima als im Rest Malaysias: Nicht ohne Grund werben viele Hostels mit heißem Duschwasser und das Fehlen von Heizkörpern kann sich nachts schon einmal negativ bemerkbar machen. Zudem beginnt es zuverlässig um 13.00 Uhr (ggf. auch früher) zu regnen – nicht zu tröpfeln. Die Nachmittage bestehen deshalb gerne aus ausgiebigem Kartenspiel und noch ausgiebigerer Nahrungsaufnahme, der wegen der exzellenten indischen Restaurants in der Nähe praktisch keine Grenzen gesetzt sind.

image

Die niedrigeren Temperaturen bedeuten aber auch, dass Unternehmungen in der Umgebung des Hauptortes Tanah Rata  potenziell weniger schweißtreibend ausfallen als anderswo. Im Ergebnis ist der Unterschied für das in Kuala Lumpur erworbene Longsleeve mit der nur wenig sprechenden Aufschrift super dry freilich marginal.

image

Auch die Tour zur Rafflesia, der größten Blume der Welt mit einem Blütendurchmesser von bis zu einem Meter, hat es in sich, zumal es auf dem Weg zum eigentlichen Trail zunächst für eine Dreiviertelstunde über wenig beschattete Lehmstraßen geht – da sorgt auch die Vormittagssonne für brüllende Hitze. Spätestens als es dann durch dichte Bambuswälder (Kontaktaufnahme kann – uns unbekannterweise – zu schweren Hautreizungen führen) kreuz und quer über verschiedenste mehr oder minder als solche erkennbare Jungle Treks in Richtung des Hanges geht, wo eine der Blumen gerade blüht, bewährt sich die Entscheidung, sich für diese Unternehmung einer geführten Gruppe anzuschließen. Die Blume selbst würde sich zur heimischen Zucht nur für sehr geduldige Hobbygärtner eignen, denn nach mehrjährigem Wachstum blüht sie gerade einmal 5-7 Tage, um dann zu einem stinkenden Haufen zusammenzufallen – eine eher ernüchternde Bilanz, die dem  eindrucksvollen Erscheinungsbild aber keinen Abbruch tut. Eine Suche auf eigene Faust hätte angesichts dessen und angesichts der Seltenheit der Blume dementsprechend nur wenig Freude bereitet. Umso mehr für uns, weil die im der  Umgebung siedelnden Eingeborenen eigens bezahlt werden, um die Blume vor Unholden zu schützen, die sich dieser zur Verarbeitung zu Medizin oder Potenzmittel bemächtigen wollen.

image

Doch nicht nur hierzu werden die Orang Asli benötigt, sie sollen ihre Siedlungen auch für Besichtigungen zur Verfügung stellen und den Touristen ihre Lebensart näherbringen. Weil es hier aber keine traditionellen Holzhüttensiedlungen mehr gibt und auch die malaysischen Dschungelvölker sich der Vorteile zumindest des Wellblechdachs längst bewusst geworden sind, komprimiert sich die Aufführung, die sich an die Wanderung anschließt, dankenswerterweise auf eine spontane Trocken-Übung des Guides mit einem Blasrohr. Die Haupterkenntnis, die hieraus zu ziehen ist, besteht darin, dass dieses nicht wie eine vollautomatische Maschinenpistole angelegt wird – ein durchaus nützlicher Hinweis für jene, die im Anschluss fürs Foto posieren und sich somit gleich als Eingeweihte ausweisen können.

image

Auf den Geschmack gekommen ob des Regenwaldes, der auch die Hügel der Cameron Highlands noch zu  großen Teilen bedeckt, zieht es uns am Folgetag zu weiteren Expeditionen ins Dickicht. Das Ausschlafen zahlt sich auf dem Weg auf den 6.666 (!!!) Fuß hohen Gunung Brinchang jedoch nicht aus, sodass kleinere Teile des Auf- und Abstiegs in strömendem Regen absolviert werden müssen. Nicht zum letzten mal ist der Gipfel dann bei der Ankunft auch vollkommen in Nebel gehüllt und der Ausblick auf die Hauptattraktion der Highlands entfällt zunächst.
(Im Bild die nur noch wenig vertrauenswürdige Brücke über einen Wasserfall zu Beginn der Wanderung, der sich durch mehr als den Weitertransport von Unmengen an Müll jedoch nicht auszeichnete).

image

Das Hochland ist vor allem bekannt für seine weitläufigen Teeplantagen: Unter  anderem der wichtigste Teeproduzent Malaysias, BOH, baut hier an. Nachdem das Wetter beim Abstieg mit der Zeit aufklart, werden diese auch für uns in voller Pracht sichtbar. Die Weite der Plantagen erschließt sich dabei für Fußgänger sicherlich besser als etwa für die 5 Altersgenossen, die am gekennzeichneten Aussichtspunkt aus dem Auto springen, dem Panorama jedoch umgehend den Rücken zukehren und dieses nur noch durch die Frontkamera des Smartphones rezipieren.
Nach langem Spazieren entlang der üppigen Felder, deren Erscheinungsbild zunächst eher an ein bizarres Naturphänomen unter der Beteiligung eigenartiger Moosformen erinnert, ist der Tee auf der Aussichtsterrasse der BOH-Teefabrik mehr als verdient. Die hügelige Landschaft verleitete die Reiseführerschreiber übrigens zur fatalen Assoziation mit dem Tolkienschen Auenland. Dass jedem Hobbit die Teeernte in steiler Hanglage aber mit Sicherheit viel zu anstrengend wäre und man dort überdies eher Tabak der Sorte Alter Tobi anbaut, fällt dabei vollkommen unter den Tisch.

image

Am Folgetag reicht es dann auch nur zu einer weiteren Wanderung zu einer kleineren Plantage näher am Tanah Rata. Bei exzellentem Schwarztee der Marke Bharat blieb dementsprechend mehr Zeit zum Sinnieren über den Rückweg – der wiederum über weite Strecke im Regen und entlang einer eher unspektakulären Landstraße verlief.