wpid-wp-1449618170492.jpeg

Ipoh

Ipoh findet bei Auswärtigen vor allem wegen seines Busbahnhofs Beachtung. Weil dieser einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt, kommen Durchreisende gar nicht in die Verlegenheit, eine der größten Städte Malaysias während der Aufenthaltes auch nur eines Blickes zu würdigen.

image
(Hier sind vor allem die teils mörderischen Abwasserrinnen am Straßenrand zu beachten, die es nahelegen, die eigene Aufmerksamkeit durch Hopfenzufuhr nicht allzu weit zu reduzieren)

Ipohs Reiz liegt indes auch nicht unbedingt in den offensichtlichen Sehenswürdigkeiten. Die existieren zwar, sind aber zum Teil längst aufgegeben und dienen dann nur noch zu wenig mehr als zur Lagerung von Gerümpel. In intakten historischen Gebäuden wie dem Bahnhof werden hingegen elektrisches Wischgerät und tragbare Bügeleisen feilgeboten – Vieles in dieser Stadt macht einen verfallenen und verlebten, doch bemerkenswerterweise wirkt Ipoh trotzdem äußerst lebendig und vollkommen unbekümmert über diesen Zustand: Unzählige Straßenlokale, häufig bestehend aus kaum mehr als einer großen gefließten Halle mit Warmhaltetheke, oder, in kleinerem Maßstab, gruppiert um Parkanlagen, servieren hier Tag und Nacht verschiedenste internationale Spezialitäten und stören sich dabei wenig daran, dass die Stadt insgesamt besser in Schuss sein könnte. Der Reiz der malaysischen Küche liegt insgesamt weniger in den lokalen Kreationen als vielmehr in den vielfältigen auswärtigen Einflüssen. Verzichtet man auf Fleisch- und vor allem auf Fischkonsum bleibt an malaysischen Eigenarten vor allem eine ganz und gar merkwürdige Süßspeise: Zerstoßenes Eis wird hoch in eine Schüssel getürmt und mit Wassermelonensaft begossen, bevor es mit aus Erbsenmehl geformte grünen Glibberfäden, Mais, Kidneybohnen, Kügelchen aus eingekochtem Reis und einer großen Portion Vanilleeis sowie weiteren sonderbaren Zutaten überhäuft wird. Das den Temperaturen entsprechend unbeständige Gebilde wird vom Eisbecher rasch zur Suppe, die von Einheimischen gerne als Ergänzung zum Curry oder den gebratenen Nudeln gelöffelt wird. Was sich mit unseren europäischen Augen höchst sonderbar liest, weiß auch unsere für solche Geschmacksakrobatik nicht trainierten Gaumen nur zu faszinieren, kaum zu begeistern. Die Überzeugung, dass einige dieser Zutaten, vor allem aber alle zusammen, nicht in eine Süßspeise (und in dieser Kombination auch sonst nirgendwo hinein) gehören, ist an dieser Stelle nicht auszuräumen.

image

Passend dazu, dass die Architektur insgesamt also eher einen etwas  verruchten Charme versprüht, als im eigentlichen Sinne ansehnlich zu sein, besteht die eine Hauptattraktion der Stadt in den verschiedenen Street-Art-Kreationen, die mal in kleinerem und mal – wie hier – in größerem Maßstab an den Wänden ansonsten eher trivialer Betonklötze angebracht wurde. Dennoch wirken vor allem die kleineren Kunstwerke in den Seitenstraßen liebevoller und authentischer gestaltet als die großen Werke, die eher an Auftragsarbeiten erinnern.

image

Insbesondere gilt das für Kunstwerke wie dieses, das zugleich die zweite Hauptattraktion der Stadt zeigt: Ipoh White Coffee wird in Palmölmargarine geröstet und mit Kondensmilch stark gesüßt serviert. Das sehr volle, dabei milde Aroma dieses Kaffees ist auf Getränke-Ebene mit Sicherheit die interessanteste Entdeckung in Malaysia. Gerne wird er von den Einheimischen aus den hier zu sehenden Plastiktüten konsumiert, eine an sich sparsame Option für take-away-Getränke, die aber allem Anschein nach stets Gefahr läuft, bspw. an Büschen hängend vergessen zu werden.

image

Neben Stadtspaziergängen bleibt genug Zeit, den neuen Bond im Kino anzuschauen (spektakulärer als der Film ist an dieser Stelle allerdings die Klimatisierung des Kinosaals, die Roland Emmerichs Epos The Day After Tomorrow exzellent untermalt hätte) und sich um modische Dinge zu kümmern. Die zunächst mutig vorgetragene Bitte um einen Undercut wurde wenige Sekunden dann natürlich doch weitgehend revidiert (but not too much!). Kostenpunkt: 15 Ringgit (3 Euro).