Kuala Lumpur

Kuala Lumpur. Besonders viel wusste der Reiseführer nicht zur Hauptstadt Malaysias zu sagen und besonders unter dem Eindruck Singapurs wirkt die Metropole, die zumeist schlicht KL genannt wird, eher farblos: Die Botanischen Gärten wirken vergleichsweise unattraktiv und auch das Prinzip der Food Halls wird hier nicht anders realisiert als dort. Dafür ist KL vielleicht asiatischer als das saubere und strenge Singapur. Olfaktorisch wie akustisch bereitet die Stadt einen deutlich intensiveren Empfang und Menschen und Kraftfahrzeuge sind in Massen allgegenwärtig.
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Chinatown, wo wir wohnen, ist ein gutes Beispiel hierfür und belegt zugleich, dass in KL großes Interesse daran besteht, Touristen mehr oder minder erlesene Güter zu mehr oder minder erlesenen Preisen feilzubieten. Die Jalan Petaling, die oben zu sehen ist, besteht aus einer einzigen Aneinanderreihung an Verkaufsständen, wo alles das angepriesen wird, wonach es Reisende gemeinhin dürstet: Sonnenbrillen, Handtaschen, Geldbeutel und T-Shirts, an unzähligen Ständen und in immer gleicher Ausführung. Die Stände sind bisweilen so gedrängt aufgestellt, dass es auch ohne die sich durch sie hindurch bewegenden Ströme nicht leicht fällt, den Händlern so weit aus dem Weg zu gehen, dass man sich die Erklärung, warum man denn gerade an ihrem Stand keine modischen Accessoires erwerben wolle, sparen könnte. Doch es verkaufen alle genau das gleiche. Der Umstand, dass auch das benachbarte Little India genau demselben Prinzip folgt, lässt zweifeln, wie so ein Konzept für den einzelnen Standbetreiber denn funktionieren kann.
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Spaziergänge sind in beiden Vierteln dennoch angenehm, wofür neben der nicht zu aufdringlichen Geschäftigkeit der Händler vor allem die unverzichtbare kulinarische Begleitung verantwortlich zeichnet. Weit mehr als in Singapur wird hier direkt aus dem mobilen Stand serviert, wobei auch die Food Courts wie gesagt nicht fehlen. Auch die verschiedenen Köstlichkeiten vom Salamiburger bis zum Hühnerfuß werden engagiert beworben, doch scheint es auch durchaus naheliegender, fünf verschiedene Sorten  gebratener Nudeln zu probieren, als die gleiche Zahl an Handtaschen zu kaufen – jedenfalls als Rucksacktourist wird man diese Perspektive einnehmen.
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Im Angesicht des überwältigenden Angebots bleibt es bei wenigen Stichproben, die zeigen, dass vegetarische Gerichte anscheinend nicht mit dem gleichen Verve zubereitet werden wie fleischhaltige, dass es abgesehen davon aber auch in der berühmten asiatischen Straßenküchenszene gute und weniger gute Köche gibt. Essbar war bisher jedenfalls immer alles. Das Highlight bleiben dennoch zweifellos die unter freiem Himmel in emsigem Schaffen frisch zubereiteten Cocos- und Erdnusspfannkuchen, doch auch die in Kohletonnen zubereiteten Maroni haben ihren eigenen Charme.

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Auf den Straßenmärkten kamen wir dann auch den nicht nur in der U-Bahn Singapurs streng verbotenen Durians auf die Schliche. Der King of Fruits entwickelt in bestimmten Reifestadien anscheinend strenge Gerüche, schmeckt frisch aber in der Tat vorzüglich. Ob man außerhalb Indonesiens und Malaysias an sie herankommt, wissen wir noch nicht.

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Über dieses treibenlassen geriet die Hauptattraktion KLs schon fast zur Nebensache, aber beeindruckend waren die Petronas Towers, als man vor ihnen stand, dann natürlich trotzdem. Nähert man sich ihnen über einen der klimatisierten Walkways, die Fußgängern für manche Routen den Kampf mit dem Verkehr auf Straßenebene ersparen, muss man allerdings durch das Untergeschoss der Towers. In diesen findet sich, kaum überraschend, eine Mall.
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Hier werden in manchen Einrichtungen deutsche Backwarenkonzepte  kreativ weiterentwickelt. Die Variante Zimt und Zucker, die wir ausprobierten, ähnelte hinsichtlich ihres Buttergehalts und ihrer Konsistenz freilich auch eher einer Zimtschnecke als einer zünftigen Wiesnbrezn.

Insgesamt war KL den Besuch trotz der wenigen spezifischen Höhepunkte auf jeden Fall wert, allerdings genügten die zwei Tage, die wir dort waren, und der damit verbundene erste Eindruck auch bis auf weiteres. Am lohnenswertesten  war die Fahrt aus der Stadt hinaus zu den Batu-Caves, aber darüber gibts vielleicht morgen was zu lesen.

Wir sind aktuell übrigens in den kühlen, aber sehr regnerischen Cameron Highlands.

5 Gedanken zu “Kuala Lumpur

  1. war grade in nagold und tübingen – da wars fei auch schön !! warme herbsttage, güldene wälder …clementinen statt durian. lg

  2. Habe Dich gleich bei den ersten Zeilen am Schreibstiel erkannt, Marius. Guter Bericht! Weiter so! Alex macht eher die Fotos ? Wie sucht Ihr Eure Quartiere ? Viel Freude weiterhin beim Entdecken der Welt, gute Nacht.

  3. Wieder eine sehr gute und lebendige Schilderung lieber Marius, das wird ein Reisebericht von dem ihr euer Leben lang zehren könnt! Super! Freu mich schon auf den nächsten und auf schöne Bilder! Bussarl aus der Heimatstadt 😍

  4. Am Hohenpeißenberg hats 20 °C, die Sonne scheint und Ihr fahrt so weit um zu frieren und nass zu werden, Ihr könnt einem echt leid tun !

  5. Haha konnte fast nix verstehen so n hochgestochner doktoranten schreibstiel haha 😀 Späßle! Jaaaa mehr Fotos

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