Kuala Tahan

Eigentlich sollte hier wieder einmal ein viel längerer Text stehen, doch wiederum machte die Technik einen Strich durch die Rechnung… Deshalb wieder einmal nur Anmerkungen.

Nach Kuala Lumpur geht es nun in den Dschungel. An der Zwischenstation Jerantut werden wir jedoch zusammen mit vier anderen Backpackern unmittelbar aus dem öffentlichen Bus in einen Minivan verladen, der uns zum Büro einer der vielen Reiseanbieter fährt, der verschiedene Pakete für den Aufenthalt in Kuala Tahan anbietet. Der Gruppenzwang ist hier fast so drückend wie die Hitze, sodass es um dem guten Vorsatz, alles selber zu organisieren, gleich wieder geschehen ist.

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Der Blick aus dem Boot, das uns vom jetty in Kuala Tembeling, wohin uns der Anschluss-Minibus fuhr, ins Dschungeldorf Kuala Tahan brachte.

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Die Anlegestelle in Kuala Tahan vom gegenüberliegenden Resort aus gesehen, an das der Nationalpark anschließt, samt den floating restaurants, die zwar alle dasselbe Essen mit denselben Zutaten anbieten, dessen Qualität aber dennoch zum Teil bemerkenswert schwankt.
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Aussicht vom Aussichtspunkt, am ersten Tag folgten wir zunächst den gut erschlossenen Pfaden des Nationalparks. Was sich bereits auf dem mit Touristen gut gefüllten Boot andeutete, wurde hier umso deutlicher: Nicht nur Alex und Marius aus München kommen auf die Idee, in den tiefen Dschungel Malaysias zu reisen, sondern schlechterdings jeder, der das Land besucht. Die Begehbarkeit des Nationalparks wurde daran zumindest streckenweise angepasst und so finden sich hier solide, mit Stahlleisten befestigte Wege aus Holzplanken, die das Areal streckenweise fast barrierefrei machen. Dass Tiere und selbst Insekten hier rar gesät sind wundert nicht angesichts dessen, dass hier täglich viele Dutzend Touristen durchstampfen. Die Pflanzen können aber nicht weglaufen und so bietet sich hier ein faszinierender erster Eindruck des Regenwaldes „von innen“.

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Gut begehbar ist auch der Baumkronenpfad, der canopy walkway, der in bis zu 40m Höhe ein kurzes Stück durch den Dschungel führt. Die Konstruktion ist idiotensicher, so fühlt sich der Weg in der Tat eher wie ein Spaziergang mit unüblicher Perspektive an.

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Spürbar wird das Wuchern und das Winden dann aber vor allem auf den eigentlichen jungle trails, wo sich Bäume gegenseitig umklammern und riesige Palmblätter die Pfade überschatten.

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Der exotischen Tierwelt kann jedoch auch hier weniger visuell als akustisch nachgespürt werden: Einzelne Vogelrufe und wenige Affenschreie sind Ausnahmen in der ansonsten unbeteiligt wirkenden Population. Die einzigen Lebewesen, die sich dem Besucher geradezu aufdringlich präsentieren und ihre Glieder dem Vorbeiwandernden obszön entgegenrecken, sind leeches (phonetisch keinesfalls zu verwechseln mit lychees), die auch intensiven Kontakt bis hin zum Austausch von Körperflüssigkeiten nicht scheuen. Obwohl Blutegelbisse als gesund gelten, stellt sich kein gesondertes Verlangen ein, dies mit Repräsentanten der Spezies, die ihre Existenz in schlammigen Pfuhlen fristen, nachzuprüfen – das unfreiwillig vorgenommene Experiment mit drei Exemplaren brachte denn außer kleinerer Saugabdrücke und einem großen Blutfleck auf der Hose denn auch keinen weiteren Effekt.

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Zwei mehrstündige Touren auf anspruchsvolleren Pfaden brachten neben intesiverem Regenwaldfeeling vor allem die Erkenntnis, dass auch vordergründig harmlose Wegprofile bei entsprechender Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen durchaus anstrengend sein können.

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Dementsprechend schien es durchaus legitim, die Abendstunden bei ausgedehntem Kartenspiel in den floating restaurants zuzubringen (mit französischem Set in stilvollem Disney-Layout aus dem Toys ‘r’ Us in Kuala Lumpur, beliebte Spiele heißen Kings Corner und Watten). Viel mehr gibt es in Kuala Tahan auch nicht zu tun, was nicht nur am Dorf selbst liegt, sondern auch an der Regenzeit: Ab 16:00 Uhr beginnt es hier relativ zuverlässig zu schütten. Drei Übernachtungen reichten da aus, zumal, da wir auf special adventure activities wie die verschiedenen geführten Touren oder Bootsfahrten durch Stromschnellen dankend verzichteten. Ein kulinarisches Highlight fand sich aber doch auch hier in der Lokalität Mama Chop: Pfannkuchen, die zwar nur einen Durchmesser von 10cm hatten, dafür aber 3cm dick waren. Den idyllischen Fluss nutzten wir nur noch zur Erholung, nicht aber fürs Bad und auch nicht für die Rückfahrt, die in einem Bus bestritten wurde, der mit offenen Türen fuhr. Die Straßenschilder warnten: elephants crossing.