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Vietnam: Dalat

Nicht zwingend auf der Vietnam-Rundreiseroute gelegen, geht es im zentralvietnamesischen Dalat eher beschaulich zu. Bedient werden hier vor allem zwei Sorten von Touristen: Zum einen sind das Individualtouristen, die zwar gerne auf eigene Faust das umgebende Hochland erkunden und “off the beaten track”-Erfahrungen sammeln möchten, sich dabei aber nicht selbst auf den Motorroller trauen – angesichts der geschilderten Verhältnisse auf vietnamesischen Straßen nichts, was ihnen übelzunehmen wäre. An diesem neuralgischen Punkt kommen nun die vielen Vietnamesen ins Spiel, die zwar ein Motorrad besitzen und keine Bedenken haben, dieses zu fahren, aber zumeist über kein weitergehendes Konzept verfügen, wie sie Touristen effizient Geld abnehmen können. Diese Fahrer nennen sich Easy Rider und verlangen zum Teil horrende Summen für Fahrten mit Touristen, die unique experiences versprechen und angeblich über geheime Wege zu den wahren Perlen der Berglandschaft Dalats führen, in Wahrheit aber schon aus Gründen der Fahrsicherheit über die wohlbekannten Highways und aufgrund des nicht unerschöpflichen Reichtums an Sehenswürdigkeiten zu 90% genau das abdecken, was man ohnehin jedem  Reiseführer entnehmen kann. Sie organisieren sich im besten Fall lose in kleinen Unternehmen, um sich eine gewisse Reputation zu erarbeiten; im schlechtesten Fall lungern sie tagein tagaus an Busbahnhöfen und anderen Verkehrsknotenpunkten herum, um die eigene Tour im persönlichen Gespräch schmackhaft zu machen (oder eben förmlich aufzudrängen). Das einzige wirklich wirksame Gegenmittel besteht darin, selbst mit fahrbarem Untersatz unterwegs zu sein.
Unabhängig davon entfalten sich die Reize Dalats aber in der Tat vor allem in seiner Umgebung.

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Die eine Ausnahme stellt das verschrobene crazy house dar, ein ganz und gar wundersam anmutendes work-in-progress-Projekt, in dem jede noch so fantastisch wirkende Märchenarchitektur realisiert wird.

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Angesteuert wird es indes vor allem von der zweiten Touristensorte, die sich in regelmäßigen Abständen aus Reisebussen ergießt, für die surreale Erfahrung bei der Erkundung des Komplexes augenscheinlich aber nur wenig Verständnis aufbringt: Massen von zum Teil schon vormittags stark alkoholisierten Russen schleppen sich hier durch die Gänge, um nach 20 Minuten und verrichteter Notdurft dann möglichst bald wieder im Bus zu verschwinden.

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Die andere Ausnahme besteht im Panoramablick auf den zentral in Dalat gelegenen See, der kurzzeitig an die Kulisse Schweizer Ferienorte erinnern mag (was auf diesem Bild allerdings nicht mit allerletzter Konsequenz deutlich wird).

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Am See wurde auch der vietnamesischen Kaffekultur ein Denkmal gesetzt, denn der typische, starke Saigon-Kaffee mit gesüßter Kondensmilch ist kaum denkbar ohne eine kostenlose Kanne Tee an der Seite. Die berüchtigte entweder-oder-Frage hier wurde hier simpel, aber sehr überzeugend durch ein und beantwortet.

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Das eigentlich Spannende an der Region ist aber doch die Erkundung der verschiedenen Bergstraßen und der sie umgebenden Natur (hier auf der landschaftlich bemerkenswerten Wanderung auf den Lang Biang, wo der Pinienwald ca. 50m, nachdem dieses Foto entstand, vollkommen unvermittelt durch dichten Dschungel abgelöst wurde).
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Die wahrlich elefantösen Elephant Falls.

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Eine oberhalb der Wasserfalls gelegene Pagode.

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Ein bizarrer Dungeon unter einer weiteren Pagode: Hier wird die buddhistisch-hinduistische Hölle in einem absurd großen Gruselkabinett visualisiert. In schier unendlicher Folge wird hier geköpft, gevierteilt, ertränkt, erdrosselt, erstochen, entbeint und zerhackt. Dazu ertönen die Schmerzensschreie der verlorenen Seelen und avantgardistische Untermalung durch Geigen und singende Sägen. Welcher Zweck mit der enorm aufwendigen Umsetzung verfolgt wird, bleibt unklar, denn weder kostet der Gang durch den Folterkeller eine Gebühr, noch wird das Ganze in irgendeiner Form beworben oder erklärt – jedoch finden sich an den Wänden nicht enden wollende Kolonnen von Schriftzeichen und Ausführungen in fremder Sprache. Geht es hier also möglicherweise um eine abschreckende Maßnahme gegenüber den Gläubigen?